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3. Thüringer Aktionstag 2015 „Aphasie & Schlaganfall“

By 13. Mai 2015 März 15th, 2019 No Comments

14. März 2015 in Erfurt

Der 3. Thüringer Aktionstag „Aphasie & Schlaganfall“ fand am 14.03.2015 im comcenter Brühl (LEG-Bürogebäude, Mainzerhofstr. 10 in Erfurt) unter dem Motto „Selbsthilfe trifft Medizin“ statt. Die in den vorausgegangenen Jahren genutzten Räumlichkeiten in der POLYKLINIK Erfurt waren aufgrund der zahlreichen Besucher nicht mehr ausreichend.

Der Einladung des Landesverbandes waren viele Betroffene und Angehörige gefolgt. An dem 3. Thüringer Aktionstag nahmen über 110 Personen teil.

Bereits an dieser Stelle ist hervorzuheben, dass alle Kooperationspartner und Referenten ohne zu zögern ihre Beteiligung an dem Aktionstag zugesagt haben. Neben dem Landesverband und dem Schlaganfallzentrum Erfurt als Veranstalter haben sich die Firma Jüttner Orthopädie KG, die AOK Plus, die m&i Fachklinik Bad Liebenstein, die MEDIAN Klinik Bad Tennstedt, das AVZ Dr. med. Kielstein, Herr Volker Henning, der Deutsche Diabetiker Bund Thüringen, das Autohaus Gitter Erfurt und Herr Dr. Daniel Martin als Kooperationspartner und Aussteller beteiligt.

Zur Eröffnung des Aktionstages kam zunächst der Aphasiker-Chor Erfurt zu „Wort“. Mit dem klaren Klang der vorgetragenen Lieder war bei den Teilnehmern ein reges sowie ge- und entspanntes Interesse zu erkennen. Es war ein gelungener Anfang.

Nach den Begrüßungsworten durch den Landesverband Thüringen für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. übernahm Frau Eva Schillikowski, die leitende Sprachtherapeutin der m&i Fachklinik Bad Liebenstein, gekonnt die Moderation der Veranstaltung.

Anschließend präsentierte Herr Volker Henning heitere Verse und Gedichte aus seinen eigenen, in Buchform veröffentlichten Werken. Auch trug er das speziell für den Landesverband kreierte Gedicht „Sprachreise“ vor (s. Anlage).

Danach trat nochmals der Aphasiker-Chor Erfurt in Aktion. Hier wurde auch das von dem Ehepartner einer Betroffenen getextete Aphasiker-Lied (s. Anlage) präsentiert. Mit viel Beifall wurden die musikalischen Akteure entlassen.

Anschließend folgten medizinische Fachvorträge von Herrn Dr. med. Andreas Steinbrecher, Chefarzt der Neurologie im HELIOS-Klinikum Erfurt zum Thema: Akutversorgung in der Stroke Unit Herrn Dr. Miosge, Chefarzt der Neurologie in der MEDIAN-Klinik Bad Tennstedt zum Thema: Anschlussrehabilitation (AHB) nach Schlaganfall
Herrn Dr. med. Daniel Martin, Neurochirurg an der Universitätsklinik Dresden zu seinem Lieblingsthema –wie er selbst sagte- Stimulation des N. peronaeus – Fußheberschwäche

Die Beiträge der Referenten wurden von den Teilnehmern mit großem Interesse verfolgt, teilweise auch wegen persönlicher Betroffenheit. Die Referenten trafen genau den richtigen Ton bzw. das richtige Wort. Es lag ein Hauch von Spannung in der Luft und bei keinem Zuhörer zeigte sich Müdigkeit. Im Anschluss an einen weiteren Auftritt des Herrn Volker Henning richtete Herr Jüttner von der Firma Jüttner Orthopädie KG seine Begrüßungsworte an alle Anwesenden.

Mit einer Verspätung von fast 45 Minuten konnten alle Anwesenden in die wohlverdiente Mittagspause. Die Besucher und die Referenten nutzten diese Programmunterbrechung – neben dem leckeren Imbiss – für interessante Gespräche. In lockerer Atmosphäre konnte man den Dialog mit dem Facharzt, der Krankenkasse, dem Therapeuten suchen oder sich an den Ausstellungsständen informieren.

Nach der Mittagspause kam Frau Dr. med. Annett Schönijahn, Neurologin im AVZ Dr. med Kielstein, zu Wort. Sie referierte zu dem Thema „Neurologie in der ambulanten Versorgung“ und rundete somit das Motto „Selbsthilfe trifft Medizin“ gekonnt ab. Jeder konnte schrittweise die bestehende Versorgung von dem Akutereignis „Schlaganfall“, über die Versorgung im Rahmen einer Anschlussrehabilitation in einer Rehabilitationseinrichtung bis hin zur ambulanten Versorgung verfolgen. Ergänzende Behandlungsmöglichkeiten, insbesondere die Operationstechnik bei bestehender Fußheberschwäche, fanden reges Interesse.

Ergänzend referierte Frau Klett von der AOK PLUS – Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen zu den Fördermöglichkeiten der Selbsthilfeorganisationen aus Sicht der AOK PLUS. Selbsthilfe ist ein wichtiger und unverzichtbarer Baustein auf dem Weg vieler Betroffener zur Teilhabe im Alltag trotz schwerer Erkrankung und bleibenden Ausfällen.

Akzeptanz der Behinderung, aber Motivation und Engagement auf dem Weg der lebensnotwendigen Krankheitsbewältigung sind für Betroffene und deren Angehörige lebensnotwendig. Die Vortragsreihe wurde dann noch von Frau Monika Habermann, stellv. Vorsitzende des Landesverbandes Thüringen für die Rehabilitation der Aphasiker e.V., mit dem Thema „Selbsthilfe – ein Meilenstein zur Alltagskompetenz“ vervollständigt.

Frau Monika Habermann ist ein Beispiel dafür, was Schlaganfallpatienten – trotz schwerem Handicap – erreichen können. Sie hat sich über acht Jahre in das Leben zurück gekämpft. Mit Respekt und Bewunderung wurde Ihre Leistung von allen Teilnehmern im Vortragsraum mit viel Applaus gewürdigt. Bei der Akutversorgung in der Stroke-Unit zählt jede Minute – im Kampf um die Rückkehr in das Leben und dem Prozess der Krankheitsbewältigung werden dagegen kraftraubende Jahre benötigt.

Besonders gefreut hat uns die rege Beteiligung an der abschließenden Podiumsdiskussion. Alle Referenten wurden zu den unterschiedlichen Fachgebieten und Fragestellungen gefordert. Die Moderatorin Frau Schillikowski fasste professionell die Fragen aus dem Publikum zusammen und leitete sie gezielt an die Experten weiter.

Die Abschluss- und Dankesworte von Frau Monika Habermann, insbesondere an die Referenten, rundeten eine harmonische Veranstaltung ab. Der Vorstand des Landesverbandes Thüringen für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. bedankt sich bei allen Akteuren, die zum Gelingen des 3. Thüringer Aktionstages „Aphasie & Schlaganfall“ beigetragen haben. Insbesondere gilt unser Dank Frau Klett von der AOK PLUS für die finanzielle Unterstützung im Rahmen der Selbsthilfeförderung nach § 20 c SGB V. Ohne diese Förderung hätte auch bei größter Anstrengung dieser Aktionstag nicht stattfinden können. Wir bedanken uns auch bei der Firma Jüttner Orthopädie KG, die als Kooperationspartner diese Veranstaltung von Beginn an mit geplant und begleitet hat.

Mit dem Aktionstag wurde wieder eine Plattform geschaffen, die Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und Dialog gibt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich über neue Entwicklungen auf den Gebieten der Wissenschaft, Medizin, Therapie, Selbsthilfe, Pflege und orthopädischen Versorgung zu informieren. Der große Besucherandrang hat gezeigt, dass viele Menschen mit den Folgen eines Schlaganfalls leben müssen und auf Hilfe und Beratung angewiesen sind.

Die Selbsthilfe ist ein großer Pfeiler in der ambulanten Nachsorge und gibt vielen Betroffenen und ihren Familien Halt und einen Raum der Kommunikation.

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